Antje Engel
Violine

Die Geige spielte für Antje Engel schon früh eine große Rolle. Die Eltern hörten Zuhause Violinkonzerte mit den großen Interpreten, die Tante spielte Geige im Orchester. Mit sieben Jahren wollte Antje Engel selbst Geige lernen. Begeistert spielte sie als Jugendliche im Kammerorchester ihrer Schule. „Mit Freunden ein gemeinsames Ziel verfolgen, das hat mich emotional erfüllt.“ Erfüllt hat die gebürtige Stuttgarterin auch ihre Zeit im Kantatenchor der Bachakademie von Helmuth Rilling, wo sie als Zwölfjährige intensiv die Musik Bachs kennen lernte. Ein Gastdirigat von John Elliott Gardiner beschreibt Antje Engel heute als „Erweckungserlebnis in Sachen historisch informierte Aufführungspraxis. Mich hat sehr fasziniert wie John Elliott Gardiner dirigiert hat. Ob die historisch informierte Aufführungspraxis nun richtiger oder authentischer war, das war für mich damals noch nicht so wichtig. Entscheidend war für mich, dass bei den Musikern der Funke übersprang.“ Antje Engel studierte zunächst moderne Geige in Würzburg bei Conrad von der Goltz, später Barockgeige bei Alison Bury in London. Weitere Studien führten sie nach Düsseldorf, während sie nebenher als Aushilfe in modernen Sinfonieorchestern spielte. Recht schnell wurde ihr klar, dass in diesen Orchestern nicht ihre musikalische Zukunft liegen würde, „weil es nicht so aussah, als ob die Musiker Spaß an der Musik hätten.“ Begeisterung für die Musik spürte Antje Engel dagegen gleich bei ihrer ersten Probe mit Concerto Köln. „Als ich dort das erste Mal gespielt habe, wusste ich, das ist es!“ Fasziniert war sie von der Intensität, mit der in Proben an Details gefeilt wurde, bis das Ergebnis „richtig durchwirkt war. Genau das wollte ich machen! Ich mag bis heute das Gefühl, wenn eine Stelle von so vielen Seiten beleuchtet ist, dass ich wirklich weiß, wie ich sie spielen will. Und dass nicht ein Dirigent vorgibt, wie es geht, sondern dass man selbst danach sucht.“ Seit 1990 ist Antje Engel festes Mitglied bei Concerto Köln. Zusammen mit Hedwig van der Linde hat sie in dem selbstverwalteten Orchester eine beratende Funktion in der Reisekommission. Stehen anstrengende Reisen bevor, setzt sie sich dafür ein, dass schon mal eine Übernachtung mehr eingeplant oder ein Ticket Erster Klasse gebucht wird. „Dann freuen sich alle wie die Schneekönige, weil sie das Gefühl haben, es ist gut gesorgt worden.“ Wenn Antje Engel ihre Geige in den Koffer legt, schwingt sie sich gerne aufs Fahrrad, joggt oder entspannt mit Yogaübungen. „Ich brauche die Bewegung. Aber ich liege auch gerne in der Hängematte, lese oder schaue einfach nur aufs Wasser.“ An ihrem Beruf liebt sie bis heute die immer neuen Herausforderungen und die Möglichkeit, auf Tourneen unbekannte Städte kennenzulernen. 

 Text Sylvia Systermans