Gerald Hambitzer
Cembalo

Gerald Hambitzer war fünf Jahre alt, als er im Hintergrund einer Fernsehsendung ungewohnt helle Klänge hörte. Erst konnte mir niemand erklären, welches Instrument das war, bis ich über Umwege heraus bekam: Die Klänge stammten von einem Tasteninstrument, das man in der barocken Epoche gespielt hat. Auch heute noch erlebt Gerald Hambitzer, dass das Cembalo mit anderen Tasteninstrumenten verwechselt wird. Er selbst hat sich mit dem Instrument früh vertraut gemacht, etwa wenn er mit seinen Eltern Konzerte besuchte oder auf dem Cembalo seiner Schule spielen durfte. Durch die Plattensammlung des Vaters entdeckte Gerald Hambitzer früh seine Liebe zur historischen Aufführungspraxis. Bestimmte Sätze kamen mir als Kind immer langweilig vor, bis ich eine Aufnahme von Nikolaus Harnoncourt hörte. Ohne zu wissen, wo die Unterschiede liegen, hat mich diese frische Spielweise sofort fasziniert. Gerald Hambitzer studierte Klavier und Cembalo bei Hugo Ruf an der Hochschule für Musik in Köln. Nach dem Studium erhielt er zunächst einen Lehrauftrag, später eine Professur für historische Tasteninstrumente. Es gab an der Kölner Hochschule schon früh traditionelle Studiengänge für Cembalo, Blockflöte, Laute oder Viola da Gamba. Es war mein Ziel in meiner Hochschularbeit, die Erkenntnisse der historischen Aufführungspraxis in diese Studiengänge einzupflanzen. Das sag ich mit Stolz, weil ich heute Leiter des Instituts für alte Musik bin. Gerald Hambitzer gehört zu den Gründungsmitgliedern von Concerto Köln. Bei dem Orchester begeisterte mich zunächst die Möglichkeit, schon als Student Aussicht auf einen Arbeitsplatz zu haben und mit einem großen Ensemble zusammen zu spielen. Faszinierend finde ich auch, dass wir aus ganz unterschiedlichen Ländern kommen. Es ist nicht immer leicht, einen Konsens zu finden, aber die Vielfalt ist sehr bereichernd. Neben seiner Hochschultätigkeit und der Arbeit mit Concerto Köln spielt Gerald Hambitzer in verschiedenen Kammermusikformationen. Leidenschaftlich widmet er sich auch dem Fortepiano und dem Clavichord. An meinem Beruf liebe ich am meisten das Konzertieren auf der Bühne, wenn – grade mit Concerto Köln – Dinge passieren, die nicht verabredet waren. Wenn wir im „Flow“ sind, dann ist alle vorausgegangene Anspannung vergessen. Erholen kann sich Gerald Hambitzer sehr gut bei ausgedehnten Spaziergängen und der Gartenarbeit.

(Text: Sylvia Systermans)