Lorenzo Alpert
Fagott

Lorenzo Alpert hat als Kind zunächst Klavier gespielt. Ohne sonderlich viel zu üben, wie er augenzwinkernd gesteht. An einer von Deutschen gegründeten Musikschule in seiner Heimat Argentinien lernte er Blockflöte und sang im Chor. Seine eigentliche Liebe aber galt schon bald dem Fagott. Ich brauche diesen Widerstand des Rohrblattes beim Spielen, bei der Blockflöte hat man diesen Widerstand nicht. Auch der tiefe Klang des Fagotts hat mir immer gefallen. Eine Tournee mit La Misa Criolla von Ariel Ramírez führte Lorenzo Alpert Anfang der 70er Jahre zum ersten Mal nach Europa. Danach beschloss er, sich in Europa auf die Aufführungspraxis Alter Musik mit historischen Instrumenten zu spezialisieren. Er studierte an der Schola Cantorum Basiliensis und schloss mit dem Konzertdiplom für „Alte Fagotte“ ab. Zu seinen wichtigsten Lehrern gehörte außerdem Jordi Savall, der während des Studiums auf Lorenzo Alpert aufmerksam wurde und ihn einlud, beim Ensemble Hesperion XX mitzuwirken. Darüber hinaus arbeitete Lorenzo Alpert mit Orchestern wie Le Concert des Nations, Concerto vocale und Concerto Italiano. Seit 1991 ist Lorenzo Alpert erster Fagottist bei Concerto Köln. Bei Concerto hat mir sofort gefallen, dass man sich mit seinen Ideen einbringen konnte. Wir waren jung und voller Energie. Man wusste, dass man etwas aufbaut und fühlte sich als Teil eines großen Ganzen. Eine tolle Zeit! Besonders interessiert sich Lorenzo Alpert dafür, musikwissenschaftliche Erkenntnisse mit der instrumentalen Praxis zu verbinden. Auf dieser Ebene erarbeitet er für Concerto Köln neue Konzepte von Werken wie Bachs Brandenburgische Konzerte. Lorenzo Alpert unterrichtet am der Haute École de Musique in Genf und gibt regelmäßig Kurse in Italien, Frankreich, Spanien und in den USA. Es gibt vieles, was mir neben der Musik Freude macht, aber im Hinterkopf denke ich immer über meine Rohrblätter, meine musikwissenschaftlichen Projekte oder meine Schüler nach. Es gefällt mir, wenn sie gut spielen und ich als Lehrer etwas von mir einbringen kann. Ich habe eine Tochter und meine Frau ist Cellistin, die auch oft bei Concerto spielt. Ohne meine Familie wäre das alles undenkbar.

(Text: Sylvia Systermans)